Freitag, 25. April 2014

Ostern lassen wirs krachen

Ostern verspricht toll zu werden. Sonne, Temperaturen um 20 Grad (in der Sonne, Schatten gibts hier sowieso keinen) und perfekter Rückenwind. Karfreitag machen wir so eine neue Bestmarke von 95 km pro Tag.
Ostersamstag sind wir mit perfektem Rückenwind unterwegs durch die kasachische Steppe und sind optimistisch, heute endlich die 100 km pro Tag zu knacken.
Kurz nach dem Frühstück in einem Çayhan fliegt Jans Schaltwerk auseinander und reisst ein paar Speichen, den Schaltzugführung, die Kette und die Halterung der Fahrradtasche mit. 


Den Schaden bekommen wir mit Bordmitteln am Straßenrand nicht repariert. Trampen heißt 200 km zurück nach Aqtöbe oder 600 km weiter in die nächste Stadt, Qostanai. Zurück geht gar nicht - dafür finden wir einen LKW, der uns 14 Stunden mitnimmt und uns zwischendurch einlädt, mit ihm und seiner Familie Ostern zu feiern.
Am Straßenrand sind Bäume gepflanzt, in denen sich im Winter der Schnee verfängt. Kilometerweit fahren wir an diesen Schneeresten. Der Boden ist in der Tiefe noch gefroren, das Tauwasser versickert daher nicht und verwandelt die Steppe in Seen.


Ostersonntag verbringen wir mit gediegenem Frühstück. Da Frohe Ostern und Prost zu schwierig zum Lernen für unsere Gastgeber ist verkürzen wir das auf Prostern.
Dann wecken wir den Schrauberinstinkt unseres Fahrers und Gastgebers, der versucht, das Schaltwerk wieder grade zu biegen - mit Hammer und Gasherd. Ein Teil ist gebrochen, aber er ist optimistisch, dass sich das Schweißen oder ersetzen lässt. Wir sind gespannt - und müssen 2 Tage später einsehen, dass der Optimismus ungerechtfertigt war und wir hier nicht weiterkommen.


Mit dem Bus geht es über Nacht nach Petropavlovsk und von da weiter nach Omsk - unser zweites großes Ziel der Reise. 2500 km Kasachstan haben wir in nur 9 Tagen gemacht, und davon nur 3 Tage geradelt. Das tut dem Entdeckungsfreudigen und neugierigem Herz weh - aber irgendwie sind wir trotzdem Stolz nach Omsk gekommen zu sein.
Wir haben noch versuchst, Irinas Bruder in Omsk telefonisch zu erreichen um ihn vorzuwarnen, waren dabei aber nicht erfolgreich und fallen als Überraschung knapp zwei Wochen früher als geplant ein. Leider haben wir damit deren geplante Überraschung zunichte gemacht - sie wollten uns mit einem Fernsehteam an der Grenze in Empfang nehmen. Die Überraschung und die Freude ist groß, und wir schlafen nach der Nacht im Bus richtig gut.
Am nächsten Tag finden wir in Omsk einen Schrauber-Guru, der uns gleich von zwei Fahrradgeschäften empfohlen wird als sie von unserem Problem hören. Er findet die Ursache für den Crash - das Lager im Hinterrad ist kaputt und hat blockiert. 5 Stunden lang bekommt Jans Rad eine Rundumpflege - Lager auseinander nehmen, Hinterrad zentrieren, sonstige Teile tauschen, Bremsen einstellen, neuer Mantel - Jans Rad ist danach wie neu.
Wir sind jetzt 2 Tage in Omsk und schon wieder voller Tatendrang...

Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch, dass ihr es bis nach Omsk geschafft habt! Danke für die schönen Berichte und die tollen Fotos, ich werde oft nach eurer Blog-Adresse gefragt. Sind die Fahrradketten angekommen? Viel Glück weiterhin & liebe Grüße, Basti

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  2. Autsch!! Aber schön, dass ihr trotzdem schon in Omsk angekommen seid! Ihr seid uns ja jetzt wirklich ein paar Länder und tausende km voraus :-)
    Genießt die Zeit bei Irinas Bruder und viel Erfolg beim Räder aufpäppeln! Liebe Grüße aus Istanbul. Caro

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  3. Mein Gott sieht das Schaltwerk aus -- sowas hab ich ja noch nie gesehen! :D
    Sowas sehe ich bei meiner LowCost-Nabe auch noch auf mich zukommen... Erholt Euch gut in Omsk!
    Ach ja: vergesst die Bahnbilder nicht ;)

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    1. Wir haben ein Zugvideo, falls das deine Neugier stillen kann - im Blog unter Videos, Dagestan

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    2. Den Fahrradtransport finde ich großartig!

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