Samstag, 21. Juni 2014

Wie Fahrradfahren im Sandkasten

Es gibt zwei große Routen durch die Mongolei, die Nord- und die Südroute. Geplant hatten wir die Südroute. Die hat den Nachteil, dass sie ungeteert ohne Wasser durch die Steppe führt, die Mongolen empfehlen uns eine andere Strecke mitten durch das Land. Da soll es schattenspendende Bäume geben, und sogar teilweise geteert sein. Hört sich paradiesisch an. Die haben wir zwar teilweise nicht auf der Openstreetmap Karte, wir machen das aber trotzdem.
Die ersten 30 Kilometer ab Khovd sind geteert, wir freuen uns, dass wir trotz Gegenwind und Sonne gut vorankommen. Mittagessen in einem kleinen Dorf, und warten, bis die Sonne nicht mehr so knallt. Danach haben wir 20 km präparierte Piste, auf der es sich erfreulich gut fährt. Als die endet wird die Sache ziemlich sandkastenartig, wir wollen trampen. Nach einer Weile kommen zwei Kleinbusse vorbei, Elfsitzer, jeweils schon 15 Leute drin plus jedliche Kisten Ware für das Geschäft im nächsten Dorf. Kein Grund, dass wir da nicht auch reinpassen. Im nächsten Dorf (60km) werden wir rausgelassen und sind bei den vielen Kindern des Dorfes eine Attraktion,  so fühlt sich also Zoo von der anderen Seite an. Wir schlagen unser Zelt neben einer Jurte auf, was noch mehr Aufmerksamkeit erregt. Lustig ists...
Am nächsten Morgen schlagen wir uns weiter durch die Steppe durch, wieder das Sandkastenfeeling. 30 Meter fahren, bis man im Sand stecken bleibt, dann mit viel Kraftaufwand wieder rausschieben - wir landen schnell wieder in einem Auto bei einer mongolischen Familie. Als nächstes machen wir eine weitere Sandkastenerfahrung. Wenn man nach Sandkasten fragt kommt man ziemlich sicher nicht in dem Sandkasten raus, zu den man eigentlich wollte. Die Ortsnamen hier sind ungefähr so eindeutig wie ein Sandkasten in der Großstadt. Wir finden bei näherem Hinsehen auf der Karte ein Bundesland/Aimag, einen Fluss und zwei Orte mit dem Namen Dsawchan, und die Mongolen kennen offensichtlich noch mehr davon. Unseren Zielsandkasten, der auf unserer Karte mit heißen Quellen markiert ist, verfehlen wir um gut 100 Kilometer. Schade um die heißen Quellen, aber wenigstens kommen wir ein Stück näher Richtung Ulaanbator, unserem Ziel in der Mongolei. Wir sind zwar am Rand einer Wüste, aber wir sind gut aufgehoben...
Die Fahrt zu dem Alternativsandkasten ist interessant.  Mitten in der Steppe platzt die Kühlung des Familienkleinbusses. Die Stimmung ist trogzdem super, und wir kippen alle paar Kilometer Kühlwasser nach. Geschätzt zwischen 30 und 50 Litern gehen bei den etwa 15 Stopps drauf. Immer bei uns: Drei Kleintransporter, die Pferde durch die Gegend karren. Die halten bei jedem Stop auch an und steuern zwanzig Liter Wasser bei. In der Steppe wird keiner allein gelassen. Schön zu sehen, und beruhigend zu wissen für unsere nächsten Sandkastenerfahrungen.
Um kurz vor Mitternacht angekommen schlagen wir wieder unser Zelt neben der Familienjurte auf, obwohl wir natürlich eingeladen waren, drin zu schlafen. Am nächsten Morgen fängt es an zu regnen. Wir bleiben also erstmal bei der Familie. Und die findet jemanden, der morgen früh um vier nach Ulaanbator fährt. Ein Lichtblick, die letzten 300 km werden geteert sein, wir kommen aus dem Sandkasten raus. Also, wir sind zuversichtlich,  wenn auch noch etwas skeptisch, ob das wirklich alles klappt... Wir sind gespannt.







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